✎ Reisenotiz Ardèche (Frankreich)

WILDER SÜDEN - SANFTER TOURISMUS

DER WILDE SÜDEN FRANKREICHS - IN SACHEN ÖKOTOURISMUS VORNE DABEI

Wer in Südfrankreich auf dem Weg von Lyon nach Avignon unterwegs ist, sieht rechts des Rhônetals die imposanten Berge von Ardèche und Cevennen aufragen. Glücklich, wer die Zeit hat, die Rhône-Autobahn zu verlassen und einen Abstecher in diese wunderschöne, wilde Region zu unternehmen. Hier durchquert man die unterschiedlichsten Landschaften: im Norden Alpen-Flair mit Wäldern, weiten Hochebenen und tiefen Schluchten, im Süden Mittelmeer-Flair der Wein- und Olivenfelder.

Die außergewöhnliche Klima- und Landschaftsvielfalt bringt eine Fauna und Flora von großem Artenreichtum hervor. Um diese natürliche biologische Vielfalt zu schützen, wurden 14 typische Sehenswürdigkeiten vom Conseil Général de l’Ardèche als Espaces Naturels Sensibles (empfindliche Naturräume) eingestuft.

Wohl wissend, dass die wilde Natur das größte Kapital der Region darstellt, legt man mittlerweile im Departement Ardèche den Schwerpunkt auf die Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus.

Ein Paradies für Natur- und Sportliebhaber

Die wunderschönen Flußtäler laden geradezu ein, sich die Natur per Paddelboot, Fahrrad oder wandernd zu erschließen. Trotz beträchtlicher Besucherströme in den Haupttälern der Ardèche sind Raubvögel wie der Habichtsadler und der Schlangenadler oder seit kurzem auch wieder Bieber und Otter heimisch. Ein Erfolg von konsequentem Naturschutz und nachhaltigem Tourismus in der Region!

Der Fluß Ardèche in seinem gewaltigen Canion ist mit mehr als 25 Stromschnellen auf einer Strecke von 35 km ein Hauptziel und ein Muss für alle Kanuliebhaber.

Jedoch sind auch weniger bekannte Flüße wie der Chassezac im Cevennen-Teil des Departements, der Eyrieux im Zentrum oder der Doux im Herzen der grünen Ardèche ein Paradies für Paddler.

Doch auch außerhalb des wilden Wassers hat die Arèche viel Sportliches zu bieten: die erste "voie verte" also eine "grüne Wanderstrecke" lädt alle zu nicht motorisierten Aktivitäten ein: Wandern, Reiten, Mountainbiking usw.

Direkt an der Quelle: Ökologisch wohnen in der Ardèche

Immer häufiger findet man als Urlauber Unterkünfte direkt auf den Domainen der Wein-, Oliven- oder Käsebauern. Ein Genuss in doppelter Hinsicht. Zum einen erlebt man mitten in der Natur die Schönheit der Gegend, zum anderen geniesst man nirgendwo die Köstlichkeiten der Region so frisch und unmittelbar, wie direkt beim Erzeuger.

Die Bauern in der Ardèche haben sich schon lange bevor "Bio" in aller Munde war für eine nachhaltige Bio-Landwirtschaft entschieden. Mittlerweile produzieren schon fast 300 Bauern in der Region auf biologische Art: Traditionell sind Produkte aus der Esskastanie, dem Wahrzeichen des Naturparks Ardèche.

Die Menschen der Region feiern "ihre" Marrons mit zahlreichen Festen von Oktober bis November. Die südliche Ardèche hat durch den Olivenanbau schon provencalisches Flair. Zur Erntezeit von November bis Ende Januar lohnt unbedingt ein Besuch in den geöffneten Mühlen des Departements. Ein Erlebnis ist eine Ölverkostung im Frühjahr.

Im Süden am Übergang zum Gard aber auch im östlichen Teil bis hin zu den Hängen des Rhônetals wächst ein hervorragender Wein, der von Gourmets aus aller Welt immer mehr entdeckt und geschätzt wird. Würziger Ziegenkäse und Honig von den Hochebenen der Cevennen runden das Angebot traditioneller Produkte ab.

Peter Kümmel & Thomas Berner